Mein Leben

14.05.2010 um 11:29 Uhr

Ich mache mich Selbstständig!

von: Jo76

Hi, sicher wollt ihr wissen wie es weiterging. Von Anfang an war ich Feuer und Flamme für diesen Job. Ich wurde einem erfahrenen Consultant zugeteilt und lernte das kleine Einmaleins der Unternehmensberatung. Mit einem entsprechenden Auftreten und einer noblen Berufskleidung lässt sich den Kunden, so ziemlich, alles verkaufen. Nie gingen wir aus einem Unternehmen und sagten, dass hier alles passt, nein! Wir optimierten, schlugen Dinge vor, welche wir Jahre später wieder revidierten. Ein sehr gutes Beispiel ist hierfür ein Dax-Unternehmen. Denen wurde erst empfohlen eine bestimmte Sparte vom Konzern zu lösen und an die Börse zu bringen. So verdienten wir Berater nochmals, als es um das Prozedere für die Ausgabe der Aktien ging. Auch die Banken machten einen guten Schnitt. Eigentlich gab es nur drei Verlierer: Die Kunden, die Anleger und das Unternehmen selbst. Nach vier Jahren hatte ich genug. Ich war übergewichtig, depressiv und ausgebrannt. So konnte es nicht weitergehen.  Ich machte mich als Personal-Trainer selbständig und bin glücklich. Jo

10.05.2010 um 09:16 Uhr

Nach dem Studium....

von: Jo76

Hi, nach dem Studium hatte ich wenig Plan was ich eigentlich tun wollte. Ich hatte das Diplom als Betriebswirt in der Tasche und die Arbeitswelt wartete nur auf mich. Dachte ich. Anfänglich fiel es mir schwer bei Vorstellungsgesprächen in den Anzug als Berufskleidung zu steigen, ich fühlte mich verkleidet. Eigentlich hatte ich immer das Lebensziel, nur einen Beruf zu ergreifen, in dem ich keine spießige Berufskleidung tragen musste. Ich schrieb eine Bewerbung nach der anderen, dafür bekam ich postwendend Absagen. Manchmal wurde ich, aus Alibigründen, zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Bald hörte ich, dass für Betriebswirte etliche Jobs verschlossen bleiben, weil sie Erbhöfe sind. Da hilft es nicht im schönsten Anzug als Berufskleidung zum Einstellungsgespräch zu entscheiden. Der Job ist bereits vergeben. Bald heuerte ich bei einer Beratungsfirma an. Hier gibt es nur eine Berufskleidung: Edlen und teueren Zwirn. Eine teuere Uhr gehört ebenso zum Standard der Berufsbekleidung von Consultants, wie ein stylisches Smartphone (das mit dem i vorne dran). Tja, wer glaubt, dass sich hinter der Fassade von teuerer Berufskleidung ein seriöses Business befindet, der irrt. Den Kunden soll nicht so geholfen werden, dass sie ihre Probleme gelöst haben, wegen denen sie die Consultants in ihre Firmen holten. Ziel ist es, immer wieder Defizite aufzuzeigen. Jo

07.05.2010 um 09:24 Uhr

Alte Zeiten

von: Jo76

Hi, also ich habe erst ein Foto von mir aus meinem früheren Leben, wie ich es immer nenne, gesehen. Oh Gott, was war ich für einer! Das war mein erster Gedanke. Sieben Tage die Woche bin ich aus meiner teueren  Berufskleidung nicht raus gekommen. Der Trolley war immer so gepackt, dass ich sofort in das Flugzeug oder die Bahn steigen konnte und mich zum nächsten Kunden auf den Weg zu machen. Ja keinen Stillstand. Wie misstrauisch mich manche Mitreisenden damals beäugt haben mussten in meiner Berufskleidung war mir nie bewusst. Der Aktenkoffer war fast schon an meinen Händen festgewachsen, ebenso wie der Laptop. Auch im Zug oder im Flugzeug galt es Tabellen zu programmieren und wichtige Meetings vorzubereiten. Jo

03.05.2010 um 10:07 Uhr

Mir geht es gut!

von: Jo76

Hi, gestern habe ich einen ehemaligen Kollegen von mir getroffen. Erst hatte ich den Eindruck, als ob er mich nicht sehen wollte. Glatt rasiert und in einem teueren Anzug als Berufskleidung, möchte man niemand mit Schlabberjeans, T-Shirt und Drei-Tage-Bart kennen. Egal, mich freut es immer wieder zu sehen, in welchem kleinlichen Arbeitsuniversum manche Leute leben müssen, wie sie sich vor den Kunden und Chefs verbiegen nur um ihren monatlichen Gehaltsscheck zu rechtfertigen. Das dabei die Gesundheit, die Beziehungen und soziale Kontakte draufgehen nehmen die Meisten billigend in Kauf. Dafür verdient man ordentlich. Immer wieder wenn mir derartige Karriersten über den Weg laufen, gibt es mir eine Sicherheit: Ich habe alles richtig gemacht. Mein Leben habe ich wieder selbst im Griff. Ich bestimme die Termine und was ich verdiene. Dafür kann ich ausschlafen, sehen Flughäfen nur noch wenn  es in den Süden geht. Meine Gesundheit ist so gut wie schon lange nicht mehr und den Computer schalte ich nur ein, wenn ich online was kaufe. Jo