Dennis Chambers, dieser Name steht für einen Giganten in Sachen Jazz/Fusion-Drumming. Mit seinen Fills kann man immer behaupten, dass sie grooven. Meist in überdimensionalen Tempo vorgetragen, lassen seine Breaks und Solis so manchen "Könner" staunen. Kein Wunder, wenn man mit 4 Jahren auf dem Instrument anfängt und mit 6 Jahren seinen ersten Auftritt hat. Der amerikanische Drummer hat mit einigen Größen der Musikindustrie zusammen gearbeitet, bspw. Santana, Mike Stern, John Scofield etc.
Nun ein Auszug aus einem Interview mit Jazzdimensions.de, in dem er seine CD von 2002 mit dem Titel "Outbreak" vorstellt:
"Dennis Chambers
- der "Ausbrecher" des Fusion-Jazz
"Einer der besten
Drummer der Welt" - ein Prädikat, das Dennis Chambers häufig verliehen
wird. In Kollegenkreisen wird die Geschwindigkeit, mit der er Fills und Soli zu
spielen in der Lage ist, geradezu als "überirdisch" bezeichnet. In
seinen Konzerten erreicht er Tempo und Power eines Hochgeschwindigkeitszuges.
Mit gleichzeitig enormen Spurtvermögen: seine unerschöpfliche Kondition macht
es ihm möglich jederzeit noch einen Gang zuzulegen.
Carina: Du warst in diesem Jahr lange mit Santana auf Tour -
wie ist es gelaufen? Was für ein Gefühl ist das, vor so vielen Leuten zu
spielen - in riesigen Stadien? Wie ist das Erleben im Vergleich zu einem
Auftritt im Berliner Quasimodo vor ein paar hundert Zuhörern?
Dennis: Mit Carlos Santana zu spielen ist wirklich
großartig - das ist mit Sicherheit ein "First Class Act". Und da sind
dann tatsächlich ungeheuer viele Leute vor der Bühne, sehr sehr viele. Sobald
ich jedoch die Bühne betrete, klammere ich jeden Gedanken an die Menschenmassen
aus. Es ist in diesem Moment wichtig, daß man sich ausschließlich auf die
Mitmusiker und die Musik konzentriert. Auch - und gerade - auf solch großen
Bühnen können ungeheuer viele Dinge total schief gehen. Ganz besonders fatal
beispielsweise ist es, wenn du die Monitore nicht richtig hörst, oder wenn
jemand versucht, den Einsatz vorzugeben - und du es als etwas anderes mißverstehst. Wenn ich in einem Club wie dem Quasimodo in Berlin spiele,
brauche ich mir diese ganzen Sorgen nicht zu machen, die Bühne ist ja viel
kleiner. So ein Ort ist einfach viel intimer und vertrauter - ich denke, das
ist der Grund dafür, warum eine Menge auch wirklich großer Acts so gerne in
kleineren Clubs zu spielen.
Carina: Neben den Melodien spielen auf "Outbreak"
die Grooves eine entscheidende Rolle. Du spielst die Drums dein ganzes Leben
lang als Autodidakt - seit du vier Jahre alt bist. War das Schlagzeug etwas,
daß ganz von alleine "zu dir kam"? Was sagst du jungen Schülern, um
ihnen dabei zu helfen, den besten Weg für sich zu finden?
Dennis: Ich sage ihnen, daß es sehr, sehr wichtig ist, sich
eingehend, sozusagen von der Pike auf, mit dem Thema Schlagzeug zu beschäftigen
- hier auf Entdeckungsreise zu gehen. Ich selbst habe Schlagzeug spielen im
Grunde genommen dadurch gelernt, daß ich immer eine Menge Platten gehört habe.
Alle Platten mit meinen Lieblingstrommlern.Ich habe für gewöhnlich immer viel
im Bereich Rock, Soul, R&B und Jazz gehört - aber selbstverständlich auch
Fusion. Wichtig ist außerdem für jeden Schüler und Musiker: Hol´ immer das
Beste aus dir raus - so gut, wie du eben kannst. Sei nicht so, wie irgend
jemand anders dich haben möchte. Auch wenn der Spruch alt ist - du mußt vor
allen Dingen dir selbst gegenüber ehrlich sein.
Carina: Du spielst Pearl Drums, Zildjian Cymbals und Zildjian
Sticks - was ist das Besondere daran? Probierst du auch heute noch andere
Marken aus oder bleibst du bei dem Altbewährten?
Dennis: Der Sound und die Qualität des Equipments muß
einfach sehr, sehr gut sein - darauf muß ich bei meiner Ausrüstung achten. Ja,
klar, ich probiere auch immer mal wieder andere Marken, aber Zildjian Becken
und Pearl Drums sind meiner Meinung nach immer noch das beste.
Carina: Du bist berühmt für deine Geschwindigkeit, deine
Power und auch dafür, das zu spielen, was andere Schlagzeuger als
"unglaublich saubere, schnelle single strokes" bezeichnen. Gibt es
ein Geheimnis dahinter - wie übst du das?
Dennis: Kein Geheimnis. Allerdings, um Kontrolle, Geschwindigkeit und Kraft zu
trainieren, übe ich einfach möglichst viel auf Kopfkissen. Das ist etwas, was
mir noch - Gott segne ihn! - Mr Buddy Rich beigebracht hat.
Carina: Benutzt du in allen Situationen dasselbe Setup?
Insbesondere wenn du das Live-Spiel und die Studiosituation vergleichst - wie
schaffst du die Balance zwischen Powerplay und Nuancenreichtum im Sound?
Dennis: Ich verwende durchaus öfters verschiedene Setups - jeweils angepaßt an
die unterschiedlichen Musikstile. Wenn ich, sagen wir mal, auf einer
Bebop-Session spiele, verwende ich ein kleineres Drum-Kit: beispielsweise eine
18er oder 20er Bass-Drum mit einem 12er Hänge-Tom und einem 14er Stand-Tom.
Auch die Wahl der Schlagzeugfelle hängt vom verlangten Musikstil und dem dafür
erforderlichen Sound ab - da kann ich mich zwischen einfachen,
doppelschichtigen, rauhen oder glatten Fellen entscheiden. Die gute Balance
zwischen kraftvollem und vielseitigem Klang hängt allerdings nicht vom Set ab -
sowas mußt du als Schlagzeuger selbst im Griff haben. Und ich habe das wohl im
Griff.
Carina: Das Musiker-Lineup für "Outbreak" ist ein
"Who is Who" des Fusion-Jazz und Funk - war es leicht, alle diese
hochkarätigen Musiker zusammenzubekommen? Und: gab es spezielle Kriterien, den
einen oder anderen deiner "Old Friends" auszusuchen?
Dennis: Ja und nein. Es war an sich einfach, die Musiker für
das Projekt zu gewinnen und bei einigen gab es überhaupt keine Probleme.
Schwieriger war schon die zeitliche Planung, manch einer war zu dem Zeitpunkt
beschäftigt, auf Tour oder anderswo im Studio. Mit Gottes Hilfe hat es dann
schließlich geklappt, alle zusammenzubringen. Besondere Auswahlkriterien zu
treffen war dagegen schlichtweg überflüssig - die Leute, die ich auf der Platte
dabei habe, können ohnehin alles spielen.
Carina: "Straight-Ahead"-Jazz, gradliniger
Fusionrock der "Abgehen" soll - was paßt auf dein Album? Darf Musik
kopflastig sein - oder sollte sie besser nicht? Geht es auch um Spaß?
Dennis: Nein, ich für meinen Teil würde dieses Album sicher
nicht als Straight-Ahead-CD beschreiben. Die Musik soll zunächst - mehr oder
weniger - einfach nur dafür sorgen, daß du dich gut fühlst, wenn du sie hörst.
Musik, die mich wirklich im Innersten berührt, mich ins Herz trifft - das will
ich. Allerdings, laß mich's mal so sagen - die Dinge, die mich berühren, sind
sicher nicht unbedingt dieselben, die dich berühren. Bei mir wären das
beispielsweise eine Menge Stücke von John McLaughlin und dem Mahavishnu
Orchestra. Oder Gruppen wie Grand Funk Railroad, Led Zeppelin und Return
to Forever. Oder Miles Davis, Tower of Power, Aretha Franklin, Jimi
Hendrix. Dann Billy Cobham und Lenny White - und diese Liste
ließe sich unendlich fortsetzen. Für mich ist es sehr wichtig, eine Menge
"Fun" zu haben während ich auf der Bühne bin und spiele. Oder auch,
wenn ich auf Tour bin oder mit anderen Musikern unterwegs. Das gilt ebenso für
das Produzieren und Aufnehmen im Studio - und selbstverständlich auch für das
Publikum: ich hoffe, sie alle empfinden diese Freude beim Zuhören ebenfalls."
(c) Jazzdimensions 2003
Hier nun noch abschließend 2 Links ( Homepage / Myspace-Page ) und Videos ( Video1 / Video2 / Video3 / Video4 / Video5 ). Ciao ...