C'est Contre Nature

03.12.2007 um 18:18 Uhr

Titellos - wie vieles andere auf dieser Welt

von: Nyir   Stichwörter: Menschen, Seltsames, Tage, wie, heute

Stimmung: nachdenklich
Musik: I got nothin' left (Celine Dion)

Lange hab ich nichts mehr von mir lesen lassen. Aber ich denke, heute ist ein guter Tag, um dies zu ändern.
Kennt ihr das, wenn einem alles so merkwürdig vorkommt? So klar und doch so verschwommen?
Ich bin etwas verwirrt, denn heute ging ich in der Schule den Gang entlang und musste abrupt stehen bleiben. Ich blickte zu Boden und hatte das Gefühl gewachsen zu sein und zwar innerhalb weniger Sekunden. Ich kam mir auf einmal so groß vor. Mindestens 1.80m und dazu sei gesagt, dass ich in Wirklichkeit 1.63m groß bin.
Es war total eigenartig, der Boden schien so fern.
Wenn sich nun einige fragen, ob ich am Weihnachtsmarkt zu viel Glühwein erwischt habe, lautet die Antwort: Es waren weder irgendwelche Tabletten noch Alkohol im Spiel;

Jedenfalls war der heutige Tag im Allgemeinen etwas anders.
Ein Mensch, der meiner Wahrnehmung bisher ziemlich verschlossen war, schien heute offen zu sein, wie ich es noch nie erlebt habe.
Ich konnte wie aus einem Buch im Herzen dieser Person lesen. Das gelang mir schon vorher einige Male, aber heute war es - wie nur sehr selten - eine positive Erfahrung.
Dieser Mensch trägt so viele Wunden und Verletzungen in sich, doch heute erlebte ich diesen Menschen fröhlich und glücklich und überaus gelassen. Als wäre ein Felsen vom Herzen dieser Person gefallen.
Und dieses Erlebnis hat mich zwar innerlich lächeln lassen, jedoch machte es mich auch nachdenklich, weil ich weiß, dass dieser Zustand nicht für immer und ewig anhalten wird. Ihre Sorgen, Probleme und Wunden werden sie einholen...

"Sie ist ein ruheloses Wesen,
das ist sie immer schon gewesen."

Das Leben ist imgrunde eine manische Depression. Depression und Manie wechseln sich ab, einmal ist das Leben schön und dann wieder anstrengend und schrecklich.
Seit einiger Zeit weiß ich, dass ich depressive Phasen habe und zwar schon seit Jahren. Aber für mich sind Depressionen nicht direkt etwas Negatives oder Behinderndes.
Gut, ich kann in diesen Phasen meine Gedanken nicht abschalten, kann keine Menschen um mich haben, such die Einsamkeit und die Dunkelheit und zweifle an allem, von dem ich dachte, dass ich es ganz sicher weiß.
Aber: in meinen depressiven Phasen bin ich kreativ. Dann kann ich zeichnen, kann schreiben und vor allem kann ich denken, bis mein Kopf leer ist. Ich kann Gedanken zu Ende denken, auch wenn mich das Ende nicht zufrieden stellt.
Ich sehe meine Depression als eine teilweise (nur teilweise, weil ich keine manischen Phasen habe, sondern "nur" depressive) Anpassung an den Rhythmus des Lebens - mit seinen Manien und Depressionen. Ich sehe meine Depression nicht als Krankheit, denn sie beflügelt mich in meinem Schaffen, meinem Denken, meinem Sehen und manchmal sogar in meinem Fühlen.

Im Deutschunterricht mussten wir ein Buch lesen: Tonio Kröger von Thomas Mann;
Es geht darin um einen jungen Mann (=Tonio Kröger), der anders ist, als alle anderen Menschen.
Und er leidet darunter und sehnt sich so zu sein, wie die anderen.
Er ist Schriftsteller und Dichter. Es ist wie ein Auge, das ständig beobachtet und das Gesehene in Geschichten und Gedichte verpackt.
Während alle anderen alles als selbstverständlich betrachten, ist für ihn alles etwas Besonderes.
Tonio möchte sein, wie alle anderen, er möchte leben, wie alle anderen - doch er ist anders und er ist Künstler. Sein Herz schlägt in einem anderen Rhythmus. Er kann seinem Wesen nicht entkommen und kann es nicht überspielen.
Dieses Buch hat mich an einen Wunsch erinnert, den ich andauernd ganz still in mir trage und der hin und laut aufschreit: Ich möchte nur einmal einen neutralen Blick haben!
Wie ihr das interpretiert, ist euch überlassen...

So, für heute reicht es mal wieder, denke ich.
Habt eine schöne Woche und einen schönen Montagabend.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenHaibara schreibt am 10.01.2008 um 16:03 Uhr:Meine liebe Nyir,
    wie recht du wieder mal hast! Das Leben ist eine manische Depression. Dürfte ich diesen passenden Spruch von dir auch für mich verwenden?
    Ich glaube, ich trete gerade in eine manische Phase ein. Aber irgendwie ist es auch anders. Ich habe immer das Gefühl, wenn ich depri bin, als könnte ich nicht hochsehen, ab meinen Augenbrauen aufwärts ist alles grau bis schwarz, wenn ich nach irgendwas greife, scheine ich nie hinzu kommen. Das Leben läuft wie in Zeitlupe, ich kann mich schwer aufraffen.Ich erledige zwar meine Pflichten, aber nur mechanisch.Ich bin gar nicht richtig da. Rechts und links scheine ich Scheuklappen zu haben. Ich möchte mich ständig duschen, um munter zu werden.Aber es nützt nichts. Es ist wie ein träger Dämmerzustand, aus dem man nicht herausfindet. ....Aber heute wachte ich nach einer langen ruhelosen Nacht und einem kurzen Tiefschlaf auf und war wach, im doppelten Sinne.Ich glaube, ich kann die Welt wieder sehen.
    Ich hoffe, es geht dir gut und du bist auch aus deiner depressiven Phase raus,
    ich umarme dich,
    deine Haibara
  2. zitierenRex_et_Deus schreibt am 02.04.2008 um 09:38 Uhr:Du schreibst zu selten. *lächel*

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