Cream of the Crap

15.12.2006 um 14:26 Uhr

Erinnerungen

Stimmung: traurig-albern
Musik: Guns N´ Roses: Yesterdays

Das Mittagsmagazin kommt heute verspätet, was meinen Tagesrhythmus doch erheblich stört. Das ZDF zeigt Leute, die total schnell Ski fahren können und das Erste überträgt „Die Abschlussparade live aus Sandhurst“. Der kleine Enkel der Queen, Prinz William, ist jetzt ein guter Soldat und marschiert über einen Hof, auf dem außer ihm noch andere gute Soldaten rumlaufen (zwei von ihnen wurde von der Queen ein neuer Säbel geschenkt) und auch Dudelsackspieler laufen rum.

Es ist ein schönes Ersatzprogramm. Ich bin in einer sentimentalen Stimmung, denn gerührt denke ich an meine eigene Zeit beim Militär zurück. Leider durfte ich nie auf einem Pferd in ein Haus reiten, wie es ein Soldat eben im Fernsehen getan hat. Es erinnert ein wenig an Arnold Schwarzenegger, der als Terminator mit einer Harley die Treppen hochfährt. Aber den guten Freunden, netten Ausbildern, der spannenden Ausbildung trauere ich von ganzem Herzen nach.

Naja, eigentlich war ich nie beim Militär. Ich hatte keine Lust, mich anbrüllen zu lassen, durch den Schlamm zu robben und von primitiven Idioten mit einem in ein Handtuch eingewickeltes Stück Seife verprügelt zu werden.

Daher entschied ich mich damals für den Zivildienst in einer Tagesstätte für „verhaltensauffälllige“ (zu deutsch: asoziale) Kinder. Die brüllten mich an, ich robbte mit ihnen auf so manchem Spielplatz durch den Schlamm, verprügelt wurde ich jedoch nie. Ein Kumpel, der vier Jahre bei der Bundeswehr, auch nicht.

Oh mein Gott! Queen Mom ist tot? Jedenfalls behauptete das gerade die sympathische Stimme aus dem Off. Jetzt werde ich wirklich sentimental. Ich denke zurück an meine Death Metal-Band aus Jugendtagen. Eine merkwürdige Assoziation? Nein. Wir hatten damals ein wunderschönes Zwei-Akkorde-Lied, das mögliche Kontinenzprobleme der altehrwürdigen Monarchin thematisierte. Ein schönes Lied, das durch seinen Realitätsbezug aus der Masse von Kettensägen- und Massenmördersongs herausragte.

Die Soldatin, die vorhin einen Säbel geschenkt bekommen hat, erzählt nun im Interview, dass Prinz William, genau wie alle anderen Rekruten, während der Ausbildung viel Spaß daran hatte, Sachen mit einem Vorschlaghammer zusammenzuschlagen.

In mir: Wehmut.

Auch meine Band frönte diesem Hobby. Das neben unserer Probehöhle gelegene Requisitenlager der Theater-AG war in einen ca. drei Meter hohen Müllhaufen verwandelt, als wir nach zwei Jahren unseren von der Stadt kostenlos zur Verfügung gestellten Proberaum verließen. Der Vorschlaghammer und die nietenarmbandgeschmückte Axt, unsere Werkzeuge der Gewalt (gestohlen auf der Baustelle meines heutigen Arbeitgebers), sind heute heilige Reliquien, ewige Erinnerungsstücke an die rebellische Jugend.

Vanitassymbole.

 Vanitassymbole sind auch meine alternden Freunde. Kaum fünf Jahre älter als ich warten sie glatzköpfig, das Saufen nicht mehr vertragend, penisfixiert, auf ihr immer näher kriechendes Ende. Queen Mom immer ähnlicher werdend...

08.11.2006 um 14:58 Uhr

All The World Is Green

Musik: Tom Waits

was für ein erhebender moment! endlich, nachdem ich seit geraumer zeit begonnen habe, die blogs meiner freunde zu verfolgen und eifrig zu kommentieren, wage ich den schritt, mein eigenes weblog einzurichten. doch wenn das kommentieren bisher immer recht locker von der hand ging, stehe ich nun vor einem schwerwiegenden problem: was soll ich denn jetzt überhaupt schreiben? was könnte die leute denn interessieren? nichts? weil jeder dahergelaufene hanswurst ein solches weblog führt, um irgendwelche banalitäten und unzulänglichkeiten zu verbreiten? fragen über fragen und keine antworten... ich könnte über das wetter schreiben, über die leute, die an meinem fenster vorbeispazieren, könnte mich aufregen, dass die cd, die ich vorgestern bestellt habe, immer noch nicht da ist, und von der unzuverlässigkeit der post, die unzuverlässigkeit der bahn streifend, einen großen bogen schlagen, der schlussendlich zu dem fazit gelangt, die welt mit all ihren bewohnern sei ein stinkender, grausliger moloch, den es besser zu meiden gölte. ob dem nun so ist oder nicht, sei einmal in den raum gestellt, dass tut hier und jetzt nichts zur sache. soll ich mich am ende etwa selbst zur schau stellen, quasi "seelenstriptease" betreiben? nein, ich glaube, das ist nicht mein ding. jetzt sitze ich hier vor meinem bildschirm und hämmer irgendeinen bekloppten scheißdreck in die tastatur, und frage mich, wieso ich das überhaupt tue. mögliche antworten: (1) langeweile. für langeweile sollte ich keine zeit haben. es gibt durchaus genug dinge, die ich schon viel zu lange vor mir herschiebe, obwohl sie eigentlich nie aufgeschoben hätten werden dürfen, langeweile scheidet also schon mal aus, als nächstes käme (2) zeit totschlagen: das kommt wohl schon eher hin. oh nein, ich habe heute keine zeit, dies oder das zu erledigen. ich muss dringend einen neuen eintrag in mein weblog schreiben! und das kann schon den ganzen abend dauern. wahrscheinlich sogar bis spät in die nacht, denn die simpsons wollen ja auch von jemandem geschaut werden... (3)dazu gehören: glaube ich eigentlich auch nicht. wäre dies der grund, müsste ich ja werbung bei meinen bloggenden freunden machen. denn wenn die, die dazugehören nicht wissen, dass ich nun auch dazugehöre, bringts nix. und ich habe eigentlich nicht vor, jemanden durch ein "eh, ich habe jetzt übrigens auch einen blog, les mal und schreib mir ´nen kommentar"-gerede zu belästigen. gehe ich jetzt die gründe durch, muss ich mir eingestehen, dass es wohl grund (2), zeit totschlagen, ist; und schon übermannt mich ein schlechtes gewissen. das geschirr, das noch zu spülen ist, ist das geringste problem, das heute noch erledigt werden muss, naja, nach simpsons gucken.

das waren jetzt doch ganz schön viele wörter und gesagt hab ich im großen und ganzen nix. hähä. Â