...der Tag ist überstanden
...und doch nicht so schlimm geworden wie ich dachte.
Beim Aufwachen hat es geregnet, außerdem war es nicht meine Uhrzeit! Wer steht schon vor 10 Uhr auf?
Nicht, daß jetzt jemand denkt ich bin beim größten deutschen Arbeitgeber Hartz IV beschäftigt, ich gehe einer ganz normalen Arbeit nach (wobei ich fest davon überzeugt bin, daß niemand der diesen Job macht wirklich normal im Kopf sein kann) und verdiene mir mein Geld halt überwiegend im Spätdienst. In meiner Natur liegt es halt eher bis 1 Uhr nachts zu arbeiten, als morgens um 7 Uhr aufzustehen...
Naja, den Tag habe ich auf jeden Fall rumbekommen, auch wenn auf dem Weg zur Arbeit schon alles schief lief, was aber nicht mein Fehler war...
Außerdem habe ich eine Email bekommen!
So, nun sollte ich vielleicht mal am Anfang beginnen...
Ich bin 28 Jahre alt und habe mit 17 Jahren meinen ersten richtigen Partner (nennen wir ihn einfach Manni) kennengelernt.
Manni kommt aus einer Familie in der arbeiten eher als lächerlich abgetan wird, warum sollte man dies denn tun, wenn man genug Kinder (in diesem Fall 8) in die Welt setzt füttert der Staat uns schließlich auch durch!!! (O-Ton Manni). Es dauerte also nicht lange und auch ich wurde von ihm bedrängt doch ein wenig mit ihm über Kinder, Heirat, Familie nachzudenken... er war damals 21 und ich 17!!! Er hat, wie unschwer zu erraten, seinen Hauptschulabschluß nachgemacht und seine Lehre zum Parkettleger abgebrochen (...mein Chef hat mich mit der Prüfungsgebühr übers Ohr gehauen!!!).
Jung und verknallt wie ich damals war, glaubte ich ihm dies natürlich und hatte Mitleid mit dem armen guten Kerl, der in eine asoziale Familie geboren wurde und dem das Leben nie wirklich eine Chance gab... ich nahm mich seiner an und nahm mir vor, ihm all die Chancen zu geben die ihm bisher verwehrt worden waren... und damit begann die Misere...
Manni war damals beim BUND und daher nur am Wochenende Zuhause, ich ging noch zur Schule und machte meinen Realabschluß, nebenher jobbte ich für immerhin 120 Mark die Woche.
Sehr schnell gestand mir Manni, daß er beim BUND nicht viel Geld bekommt und etwas klamm ist... also gab ich ihm von meinen 120 Mark (50 Mark die Woche wurden mir von meinen Eltern zum sparen abgenommen) 50 Mark jede Woche ab, damit er vor seinen Kameraden nicht immer so arm dasteht...
Die Bundeswehrzeit ging schnell zuende, er verlängerte nochmal, denn einen Job für danach hatte er nicht in Aussicht und ich hatte meine mittlere Reife zwar in der Tasche, aber damals noch den Ehrgeiz Fachabi zu machen. Nebenher jobbte ich weiter, schließlich hatte Manni sich an den Zuschuß gewöhnt und forderte ihn inzwischen Sonntags abends ganz selbstverständlich ein.
Außerdem mußte der arme Kerl, jetzt wo er beim BUND etwas mehr verdiente, noch alte Schulden abzahlen, 3.500 Mark die er seinen Eltern mal für Weihnachtsgeschenke geliehen hatte (jaja, bei so einer großen Familie kommt an Geschenken ganzschön was zusammen!), denn seine Eltern waren ja auch immer etwas klamm, der Staat unterstützt seine gebährfreudigen Familien auch nichtmehr so wie es sein sollte...
So ging dies die ersten 2 Jahre weiter, MO-FR war ich alleine, am Wochenende dann umsorgte ich meinen Schatz, machte seinen Kühlschrank voll (die Speisekammer meiner Eltern leerte sich immer schneller), wusch seine Wäsche (oder brachte sie zu meiner Mama). Nebenbei suchte ich Manni eine schönere größere Wohnung die nicht im 5. Stock unterm Dach lag, sondern im Hause meiner Eltern, dann bestand die Möglichkeit bald mit ihm zusammen zu ziehen... Ich organisierte Möbel, eine gebrauchte Küche... kurzum, ich schuf ihm ein Heim.
Er kam Freitags nachmittags, aß, versuchte mich zum Muttersein zu überreden, schleppte mich Samstags zu seiner Familie und saß dort seine Pflichtzeit ab (egal ob man sich dabei unterhielt oder nicht, Zeit musste abgesessen werden), traf sich mit seinen Freunden und baute den Druck in seinen Eiern ab (wie er so schön sagte), ließ die dreckige Wäsche da und verschwand Sonntags wieder. Nach 1/2 Jahr überredete er mich uns doch ein paar Handys mit Vertrag anzuschaffen, denn nun war ich ja 18, und er konnte doch leider sowas nicht abschließen... wegen seiner Schulden...
Manche mögen mich jetzt vielleicht naiv nennen, aber bitte: ICH WAR 17!!! Mein erster Freund, der es länger als 3 Monat an meiner Seite aushielt...
Ich war halt nicht der Typ Mädchen, der mit 14 einen Freund hatte zum Händchenhalten, weil es alle anderen taten... ich war immer der Meinung, warum sollte ich mich mit irgendwelchen Idioten einlassen, mit denen ich mir eh keine ernste Beziehung bis ans Ende meiner Tage vorstellen konnte..? Also blieb ich alleine bis ich gerade 16 war, hatte dann einen 6 Wochen-Freund mit knutschen und fummeln.
Darauf folgte dann mit Anfang 17 ein 7 Jahre älterer Holländer, den mein Daddy am liebsten auf den Mond geschossen hätte als ich ihm erklärt habe, daß er mich, wenn ich 18 bin, nicht mehr Zuhause anbinden kann und ich dann zu Ray nach Holland gehen würde!!!
 Aber mehr als ein heißes Wochenende mit fummeln und knutschen in Holland und unendlichen Telefonaten (Rays Telefonrechnungen sollen monatlich bei etwa 400 Mark gelegen haben, 1997 gab es keine Flatrates!) gab es in diesen 3 Monaten auch nicht.
Daraufhin schwor ich der Liebe ab und genoß hochprozentige Mädelsabende... wobei dann irgendwann die Sache mit Manni entstand, denn mit den Mädels aus seinem Freundeskreis war ich unterwegs.
Ich brach dann kurz vor Ende mein Fachabi ab, denn mich um Manni zu kümmern wurde inziwschen zum Fulltime-Job. Offenbar hatte er mehr Probleme als nur die 3.500 Mark Schulden bei der Bank... ich besuchte also regelmäßig für ihn Gerichtsvollzieher und schwänzte dafür immer häufiger die Schule... Als Mannis Bundeswehrzeit zuende ging, bekam ich eine Lehrstelle und verdiente somit mein erstes richtiges Geld... und Manni kam vom BUND, verballerte seine Abfindung und stand plötzlich ohne Geld und Job da, was dann auch einige Wochen so blieb.
Er musste sich ja erstmal von der stressigen Bundeswehrzeit (er war Vollzeit-Kaffee-Kocher im Mannschaftsheim) erholen und sich in Ruhe nach einem Job umsehen... ich kreuzte jeden Tag für ihn die Stellenanzeigen in der Zeitung an, schrieb ihm Bewerbunge, vereinbarte Vorstellungsgespräche... und er landete wieder, wie vor dem BUND, bei einer Leihfirma.
Nun, da er endlich die Ernährerrolle übernommen hatte, kam Manni auch wieder auf sein Lieblingsthema zu sprechen: wann heiraten wir endlich??? ich will endlich Kinder!!!
Ich klärte ihn dann endlich mal auf, daß ich das so nicht könnte: Manni, sagte ich, Manni, erstmal mache ich meine Lehre zuende. Außerdem ist unsere 45 qm Wohnung mit 2 Zimmern zu klein für ein Kind. Und wenn ich ein Kind habe, mußt Du alleine die Familie ernähren können, da reicht ein Job bei der Leihfirma nicht aus!!!
Das saß! Er schob wieder Alles auf seine Familie: Ich konnte doch die Schule nicht zuende machen, weil ich doch früh arbeiten mußte, für meine Eltern und Geschwister... und mit der Lehre weißt Du doch auch, daß mein Meister mich übers Ohr gahauen hat... Ich bin Opfer meiner Umstände und nun bekomme ich keinen vernünftigen Job...
Also meldete ich ihn zur Abendschulde an, um seine Möglichkeiten zu verbessern. Abendschule kann man ja auch abend machen und tagsüber arbeiten gehen... aber nicht Manni...
